{"id":4087,"date":"2021-09-09T09:27:29","date_gmt":"2021-09-09T07:27:29","guid":{"rendered":"https:\/\/deg-sport.de\/?p=4087"},"modified":"2025-09-28T10:00:27","modified_gmt":"2025-09-28T08:00:27","slug":"martin-eckart-ein-ironman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/degsport.de\/Archiv\/2021\/09\/09\/martin-eckart-ein-ironman\/","title":{"rendered":"Martin Eckart &#8211; ein Ironman"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich kennen seine Freunde den &#8222;Moartl&#8220;, wie er von ihnen genannt wird, nur mit Inlineskates und dem Eishockeyschl\u00e4ger im Dress der Deggendorf Pflanz. Seit 1997 mit Gr\u00fcndung der Deggendorf Pflanz bis 2018 war er als aktiver Spieler im Inline-Skaterhockey dabei. Seit vielen Jahren lehrt er nun als Trainer den Kindern und Jugendlichen seinen Sport in der Pflanz Arena.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/deg-sport.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/61535723_10157559765559789_6146109157037572096_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4088\" width=\"415\" height=\"415\" srcset=\"https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/61535723_10157559765559789_6146109157037572096_n.jpg 930w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/61535723_10157559765559789_6146109157037572096_n-300x300.jpg 300w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/61535723_10157559765559789_6146109157037572096_n-150x150.jpg 150w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/61535723_10157559765559789_6146109157037572096_n-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 415px) 100vw, 415px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Aber der &#8222;MOARTL&#8220; hatte noch einen Traum:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><strong>Einmal ein IRONMAN zu sein!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also begann er f\u00fcr seinen Traum zu trainieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein 4 Stufen Plan (Halbmarathon, Halbdistanz, Marathon, Ironman) sollten ihn die n\u00e4chsten 1,5 Jahre viele Stunden Training abverlangen. 2018 hat er bereits seinen ersten Halbarathon finishen k\u00f6nnen. Das n\u00e4chste Ziel sollte Ende 2020 erreicht sein. Die erste Halbdistanz in Pordersdorf k\u00f6nnte Martin mit seinem good old Pinnarello-Rennrad absolvieren. Das hat er mittlerweile gegen ein aktuelles Bike eingetauscht.<br>Im Februar diesen Jahres sein Facebook Post: PUT IT IN THE BOOKS &#8211; mein erster Marathon!!!! Und dann noch pers\u00f6nliche Bestzeit: Die ersten 21 km relativ langsam angegangen, trotzdem war der Verschlei\u00df deutlich sp\u00fcrbar, sodass ich ernste Zweifel hatte. Hammerhart die letzten 10 km, hier haben meine Oberschenkel nicht mehr wirklich kooperiert&#8230;. Aber nach 5 Stunden und 7 Minuten erschienen endlich die magischen 42,195 km auf meiner Uhr, ich hab den Mount Everest des kleinen Mannes bezwungen!!!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kam seine Nachricht: Hab mich f\u00fcr den 22. August 2021 in Vichy in der franz\u00f6sischen Region Auvergne angemeldet, f\u00fcr meine erste Langdistanz. DEN IRONMAN! Der Traum sollte wahr werden!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-vivid-red-color\">INFO:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Triathleten, die beim Ironman 70.3 in Vichy an den Start gehen, erwartet 3,8 km Schwimmen im See Allier auf einer Ruderregattastrecke. Der 180\u00a0km Radkurs, der durch den Allier und Puy-de-dome f\u00fchrt, mit dem Highlight des Vulkan d&#8217;Auvergne. Kr\u00f6nender Abschluss: der 42,2 km Laufkurs f\u00fchrt entlang des Sees und durch die historische Altstadt von Vichy.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Nach vielen Strapazen war es endlich soweit &#8211; auf nach Frankreich! Aber\u2026 wir wollen den &#8222;Moartl&#8220; selber erz\u00e4hlen lassen:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">hier sein ganz pers\u00f6nlicher Bericht:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SAMSTAG 21.August 2021:<\/strong><br><br>Nachdem wir am Freitag Abend schon in Vichy angekommen sind nutzte ich den Samstag, um beim 70.3 Rennen schon einmal ein wenig die Wechselzonen und Strecken kennen zu lernen. Bereits hier merkte man beim Schlendern entlang des Flusses Lac d&#8217;Allier, dass es ein sehr stimmungsvolles Rennen werden w\u00fcrde, denn jeder Teilnehmer auf der Laufstrecke wurde lautstark von den zahlreichen Fans und flanierenden Fu\u00dfg\u00e4ngern angefeuert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da kann man gar nicht anders, als selber auch immer wieder ein &#8222;Allez&#8220; oder auch ein &#8222;Auf geht&#8217;s&#8220; f\u00fcr die deutschen Athleten zu schreien. Gegen 14 Uhr sind wir noch die Radrunde (ca. 80 km) einmal mit dem Auto abgefahren, das war im Nachhinein sehr gut, so hatte ich schon mal ne grobe \u00dcbersicht, was mich da morgen erwartet. Nachdem ich mir im Februar ein Canyon Speedmax TT Bike geg\u00f6nnt habe, war es auch nicht ganz so peinlich wie vor Jahresfrist in Pordersdorf (bei meiner ersten Halbdistanz). Als ich mit meinem good old Pinnarello in diesem Fuhrpark von Rennboliden vom Feinsten einzufahren wagte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Abendessen, sagen wir gute 4 Stunden Schlaf, nicht die Welt, aber mehr glaube ich ist bei so einem Event von der Aufregung her einfach nicht drin.<br><br><strong>SONNTAG &#8211; RACE DAY!!!!<\/strong><br>Fr\u00fchst\u00fcck: einige Toasts mit Wurst und K\u00e4se und Marmelade. Ausserdem richte ich mir 3 Wurstsemmeln her, um auf dem Rad mein 2. Fr\u00fchst\u00fcck zu mir nehmen zu k\u00f6nnen. Dann Schwimmsachen, Radschuhe und Pumpe eingepackt und ab zur 1. Wechselzone. Verpflegung aufs Bike gepackt, die Radschuhe in die Pedale geklickt und mit Gummis fest gemacht (zum ersten Mal gewundert, dass das sonst scheinbar keiner macht?).&nbsp; Ich stellte mich drauf ein, dass physisch der h\u00e4rteste Tag meines bisherigen Lebens vor mir steht und geriet etwas in Zweifel, ob ich wirklich in der Lage bin, weit \u00fcber 10 Stunden am St\u00fcck Sport zu treiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sonst passt aber alles und es geht langsam in Richtung Start. Vorm Schwimmen hab ich am wenigsten Angst und bin dann froh, als ich endlich vorne bin und es los gehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SWIM &#8211; Dauer: 1:18:10; Gesamtzeit: 1:18<\/strong><br>Das Eintauchen in den Flu\u00df war super angenehm, das Wasser sehr warm und es lief von Beginn weg astrein. Nat\u00fcrlich war es ziemlich eng und man bekommt schon den einen oder anderen Schlag vom Vorder- oder Nebenmann ab, aber alles im Rahmen, nichts Beunruhigendes. Die erste H\u00e4lfte schwimmt man entgegen der &#8222;Str\u00f6mung&#8220;, die allerdings wirklich sehr schwach ist. Die Pace war mit ca. 2:05 einwandfrei und wirklich besser als ich vorher dachte. Mit wirklich positivem Gef\u00fchl geht es bis zum Ausstiegspunkt zur\u00fcck, im Kopf nochmal die Schritte in der Wechselzone durch gehen und schon ist der erste Teil geschafft.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"533\" height=\"800\" src=\"https:\/\/deg-sport.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/202_m-FPIX-5-00994659-DIGITAL_HIGHRES-3997_006290-2188631.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4089\" srcset=\"https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/202_m-FPIX-5-00994659-DIGITAL_HIGHRES-3997_006290-2188631.jpg 533w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/202_m-FPIX-5-00994659-DIGITAL_HIGHRES-3997_006290-2188631-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>T1 &#8211; Dauer: 5 Minuten, 21 Sekunden<\/strong><br>Raus aus dem Wasser, Neo aufmachen, Brille und Ohrenst\u00f6psel in die Kappe rein und leichtes traben bis zum Fahrrad. Neo runter, Fahrradhelm auf, Gels, Riegel UND MEINE WURSTSEMMELN hinten in den TriSuite (ich denke, ich muss nicht extra dazu sagen, dass mein Suite im Deggendorf Pflanz Look der Sch\u00f6nste im gesamten Feld war), Fahrrad runter vom St\u00e4nder und Barfuss los in Richtung Ausgang. Ich wundere mich nun schon zum 2. Mal, warum alle um mich rum lieber mit den ungem\u00fctlichen Radschuhen laufen anstatt barfu\u00df. \u00dcber die \u00fcberwachte Linie gelaufen, rauf auf&#8217;s Rad, F\u00fc\u00dfe auf die Schuhe und ein paar Mal treten. Die Gummis verabschieden sich wie abgesprochen und mit meiner Wechselzeit liege ich im Nachhinein wieder relativ weit vorne. Wechseln kann ich einfach&#8230;<br><br><strong>BIKE &#8211; Dauer: 6:39:56, Gesamtzeit: 8:03<\/strong><br>Aus Vichy raus geht es die ersten 10 Kilometer sch\u00f6n flach dahin und ich schaue, dass ich den Fokus erst mal auf Verpflegung lege, rein mit dem ersten Maurten Drink sowie der 1. Wurstsemmel. So f\u00fchle ich mich gut ger\u00fcstet f\u00fcr den ersten Berg, 3 km lang f\u00fcr 300 H\u00f6henmeter, fast wie der Ulrichsberg. Nat\u00fcrlich geht&#8217;s langsam voran, aber die 3 km sind schneller vorbei als ich dachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kommt eine ziemlich anspruchsvolle Abfahrt, vor der alle gewarnt haben. Ich fand sie ok und merkte hier zum ersten Mal, dass ich bergab ganz vorne dabei bin. \u00dcberholt hat mich in diesem Abschnitt keiner, meine 90 kg haben immer gut angeschoben und die Kurventechnik ist wohl auch nicht die Schlechteste. Auch die n\u00e4chsten Kilometer bis zum Dorf Cusset (Kilometer 30) liefen prima, es ging meist gerade und ein wenig bergab, ich musste mich wirklich einbremsen, nicht zu sehr Gas zu geben vor lauter Optimismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Durchfahrt durch Cusset hat mich dann erstmalig richtig beeindruckt. Ich war zwar noch nie in Roth, aber ich k\u00f6nnte mir vorstellen, das war so ein ganz klein wenig Solarer Berg Stimmung. Ein Potpourri aus Kuhglocken, Transparenten, Hupen und lautstark anfeuernden Menschen verschaffte mir einen Euphorieschub. Ich musste mich wieder einbremsen, denn direkt nach diesem Stimmungshoch folgte eine Verpflegungsstation und das Verpflegen hab ich auf dem Rad ganz oben auf die Prioliste gesetzt. Beide hinteren Flaschen weg und Wasser und Iso aufgenommen, dann die n\u00e4chste kleinere Steigung (4km f\u00fcr 190 HM) gut mitgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann gings wieder gerade und ein wenig bergab und ich bereitete mich mental auf den schlimmsten Teil vor, eine 16 km lange Steigung f\u00fcr insgesamt ca. 520 HM. Der Anfang ist wirklich hart, wobei man auch hier einmal durch ein Dorf f\u00e4hrt (Chatel Montagne), wo man Verpflegung und toll supportende Franzosen vorfindet. Hier treffe ich auf Olivier aus der Normandie, mit dem ich einige km zusammen klettere, w\u00e4hrend wir \u00fcber Gott und die Welt ratschen. So vergeht die Zeit bei diesem Anstieg schneller und der zweite Teil der 16 km durch den Wald sind auch nicht mehr ganz so steil. Einige km und eine weitere Wurstsemmel sp\u00e4ter bin ich oben und jetzt geht&#8217;s richtig bergab. Ungef\u00e4hr bis km 80 also alles gut, nahe am perfekten Rennen w\u00fcrde ich sagen.<br><br>Und es kam Antoine&#8230;<br><br>Antoine war ein Franzose, und zwar der Erste im Feld, der mich bergab \u00fcberholte. Also dachte ich mir, ui, man kann also sogar noch mehr Gas geben hier und hing mich an meinen neuen Freund mit ein wenig Abstand dran. Das ging 4-5 Kurven super gut und ich wurde immer (\u00fcber-)mutiger. Die 6. Kurve war dann eine ziemlich enge Linkskurve, f\u00fcr Antoine kein Problem, aber mich verlie\u00df der Mut und anstatt die Kurvenlage zu intensivieren griff ich in die Bremsen, das Rad richtete sich auf, die R\u00e4der blockierten und ich begab mich anstatt links in die Kurve geradeaus voll ins Geb\u00fcsch ca. 1,5 Meter nach unten. Schei\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als n\u00e4chstes erinnere ich mich erst wieder, dass ich mit dem Rad am Stra\u00dfenrand stehe und im Schockzustand anfange, eine Inventur zu machen. K\u00f6rperlich f\u00fchle ich keine Schmerzen (die in den Oberschenkeln z\u00e4hlen nicht und waren schon vor dem Sturz da), ein erster Sichtcheck zeigt auch keine Sch\u00fcrfwunden. Ich merke, dass mein Visier noch im Graben liegt und klettere nochmal runter und hole es zusammen mit einer Wasserflasche, die daneben liegt. Ich merke, dass ich mit der rechten Seite scheinbar aufgeschlagen bin und auch auf den Helm gefallen bin. Hoffentlich keine Gehirnersch\u00fctterung, damit schaffe ich keine 2. Runde und nen Marathon. Dann werfen wir mal nen Blick auf&#8217;s Rad, wenn da was kaputt ist, dann wars das, Ersatzr\u00e4der gibt&#8217;s hier nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sieht alles ok aus, nur der Lenker ist nach rechts um sch\u00e4tzungsweise 20 Grad verbogen. Ich spekuliere, ob ich so noch 100 km fahren kann, immer nach rechts schauend. Eher schlecht denk ich mir, also versuche ich ihn mit ein wenig Kraft wieder gerade zu biegen. Das geht im 3. Anlauf und Gott sei Dank waren das nur Scharniere, nichts verbogen oder gebrochen. Mit wackligen Beinen steig ich wieder auf und fahre deutlich langsamer weiter. Ich hab Riesenrespekt vor den noch zahlreich vor mir liegenden Abfahrten und nehme mir vor, von Kurve zu Kurve wieder etwas Sicherheit auf zu bauen. Das funktioniert ganz gut, bis ich rechts unter dem Visier an der Stirn ein Rinnsal runter laufen sp\u00fcre. Ist das Blut? Hoffentlich nicht, sonst glaub ich w\u00e4re es vorbei. Ich rede mir ein, dass es Schwei\u00df ist, hin greifen kann ich da jetzt nicht, daf\u00fcr sitzt das Visier zu eng. Ca. ne Minute sp\u00e4ter dann die Hiobsbotschaft, das Visier verf\u00e4rbt sich von rechts au\u00dfen farbig. Schei\u00dfe, das ist wohl doch Blut. Ich nehme unter der Fahrt das Visier ab und stelle fest, dass das Blut doch nur eine franz\u00f6sische Schnecke ist, flippe sie in die Natur und bin wieder besser gelaunt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht weiter, bis wir zum Start der zweiten Runde (km 100) wieder nach Cusset kommen. Leider f\u00e4ngt es jetzt richtig an zu regnen, das h\u00e4tte ich jetzt nicht wirklich gebraucht. Ich habe eh schon gro\u00dfen Respekt vor den Abfahrten der zweiten Runde nach dem Sturz und jetzt auch noch auf nassem Untergrund. Andererseits denke ich mir, wir sind hier bei nem Ironman und nicht auf einem Kindergeburtstag. Also, mentale H\u00e4rte ist gefragt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"600\" src=\"https:\/\/deg-sport.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/240531670_10159925799309789_7778214251590216376_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4090\" srcset=\"https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/240531670_10159925799309789_7778214251590216376_n.jpg 600w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/240531670_10159925799309789_7778214251590216376_n-300x300.jpg 300w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/240531670_10159925799309789_7778214251590216376_n-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Mal nutze ich die Anstiege f\u00fcr Plaudern mit Landsfrau Anja und treffe dann auf David aus Frankreich. Er ist sehr nett und sympathisch und wir verstehen uns prima. Ich erz\u00e4hl ihm von meinem Sturz und wir einigen uns darauf, dass die Abfahrten wirklich sau viel Spa\u00df machen, aber halt auch t\u00fcckisch sind. Nach km 135 ist auch der zweite harte 16 km Anstieg hinter mir und ich sp\u00fcre meine Oberschenkel deutlich, daf\u00fcr f\u00fchle ich mich mental wieder voll auf der H\u00f6he. Doch als ich wenig sp\u00e4ter eine Trinkflasche von hinten nehmen will, bekomme ich immer nur die Notfall Luftpumpe zu greifen. Da stimmt was nicht. Und tats\u00e4chlich, durch den etwas rauheren franz\u00f6sischen Asphalt hat sich eine von zwei Befestigungsschrauben des Getr\u00e4nkehalters verabschiedet und der h\u00e4ngt nach unten. Gut, dass ich kurz vorher bei einer Verpflegungsstation mal kurz angehalten habe, um meine vorne befindliche Aeroflasche mit Wasser zu bef\u00fcllen. Ich beschlie\u00dfe jetzt nicht anzuhalten. Entweder das Ding fliegt weg, dann kauf ich mir nen neuen. Oder aber es h\u00e4lt an der einen Schraube durch, genug zu trinken f\u00fcr die Abfahrten jetzt hab ich noch bei mir.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es l\u00e4uft perfekt, ich finde wieder mein Tempo, werde bergab von nur einem Mitfahrer \u00fcberholt (den lass ich dieses Mal aber anerkennend ziehen) und genie\u00dfe die rasante Fahrt auf dieser wirklich tollen Radstrecke durch die franz\u00f6sische Provinz. Ausserdem nehme ich noch 2 Powerbar Riegel zu mir (die Wurstsemmeln waren schon alle weg), weil mir bewusst ist, dass ich beim Laufen wohl nichts festes mehr zu Essen zu mir nehmen werde. So geht es ins trockende Vichy zur\u00fcck und ohne weitere Zwischenf\u00e4lle erreiche ich T2.<br><br><strong>T2 &#8211; Dauer: 4 Minuten, 7 Sekunden<\/strong><br>Auf der Br\u00fccke vor der Haltelinie die Klettverschl\u00fcsse der Schuhe aufgemacht, dann raus aus den Schuhen und barfu\u00df wieder langsam laufend an den mit den Radschuhen gehenden Mitstreitern vorbei (zum letzten Mal wundere ich mich, aber das hatten wir ja schon&#8230;). Fahrrad an meinem Platz aufh\u00e4ngen, Helm verstauen, Socken und Laufschuhe an, noch ein kurzer (erster!!!) Pinkelstopp und auf zur letzten Etappe.<br><br><strong>RUN &#8211; Dauer: 5:06:18, Gesamtzeit: 13:13:51<\/strong><br>Gleich am Anfang l\u00e4uft man durch den Zielbereich, wo die meisten Leute sind und gute Stimmung herrscht. Nun wendet sich das Blatt im Vergleich zum Rad, nun werde ich laufend \u00fcberholt. Und das obwohl ich mit teils \u00fcber 10 km\/h viel zu schnell anfange und mich bewusst runter bremsen muss, weil ich mittlerweile wei\u00df, dass das sonst nicht gut geht hinten raus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten 7 km laufen ganz gut und dann seh ich auch endlich meine Nina wieder, die sich so positioniert hat, dass ich zweimal pro Runde an ihr vorbei laufe. Ich l\u00e4chle und es f\u00e4llt mir tats\u00e4chlich noch gar nicht so schwer wie vorher bef\u00fcrchtet. Die erste Runde l\u00e4uft prima, jetzt sind es nur noch 31,5 km. Ich merke den Verschlei\u00df, die Pace geht runter, aber das macht nix. Es geht jetzt um keine Zeit mehr, sondern nur noch um diese soooo sehr herbei gesehnte Finish Line.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberragend auch hier der Support der Zuschauer. Es gibt ein paar Hotspots an der hinteren Br\u00fccke und der Strandpromenage entlang, wo der Punk richtig abgeht. Alle feuern einen an, jeder kennt einen beim Namen (gut, liegt vermutlich daran, dass der zusammen mit Nummer und Herkunftsland auf der vorne h\u00e4ngenden Startnummer steht) und gerade auch die deutschen Supporter machen sich lautstark bemerkbar, wenn sie einen Landsmann sehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei km 15 versp\u00fcre ich ein Bed\u00fcrfnis, leider geht ca. 50 Meter vor mir ein anderer Athlet ins einzige Dixieklo an dieser Verpflegungsstation. Die 2,5 Minuten Wartezeit tun mir aber ganz gut, nach weiteren 2,5 Minuten geht es schon wieder weiter. Nachher habe ich geh\u00f6rt, dass einige meiner zahlreich zuhause mitfiebernden Freunde schon Angst hatten, jetzt w\u00e4re es vorbei mit mir aufgrund der extrem abfallenden Pace. Aber hey, auch ein Ironman muss mal auf&#8217;s Topfi. Nachdem es mir bei km 18 immer noch erstaunlich gut geht schlie\u00dfe ich einen Vertrag mit mir: Es wird hier keine Gehpausen geben vor der letzten Runde.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"600\" src=\"https:\/\/deg-sport.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/240458247_10159925799289789_6174948431689385863_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4091\" srcset=\"https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/240458247_10159925799289789_6174948431689385863_n.jpg 600w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/240458247_10159925799289789_6174948431689385863_n-300x300.jpg 300w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/240458247_10159925799289789_6174948431689385863_n-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und tats\u00e4chlich, bei km 25 ca. erwische ich mich, dass ich vom langsamen Laufen ins Gehen wechsle. In einer heftigen, aber kurzen Diskussion mit mir selber bl\u00e4ue ich mir ein, dass Vertr\u00e4ge dazu gemacht werden, um eingehalten zu werden. Also auf gehts, weiter wieder im Laufschritt. Und die letzte Runde war dann bei weitem nichts schlimmes, sondern eigentlich eher Genu\u00df pur. Die Stimmung nochmal genie\u00dfen, sch\u00f6n bedanken bei allen Supportern sowie auch den zahlreichen, extrem netten Helfern an den Verpflegungsstationen und voller Vorfreude auf das jetzt nicht mehr zu verfehlende Ziel weiter Gas zu geben.<br><br><strong>FINISH LINE &#8211; I AM AN IRONMAN!!!!!<\/strong><br>Ich glaube, ab km 35 brachte nichts mehr mein L\u00e4cheln aus dem Gesicht und das Ganze m\u00fcndete in einem emotionalen Zieleinlauf voller Adrenalin und Endorphinen. Ein f\u00fcr mich beeindruckendes, ereignisreiches und vermutlich auch einmaliges Erlebnis ging zu Ende und ich war einfach nur gl\u00fccklich, zufrieden, stolz und euphorisiert.<br>Ich dachte wirklich, dass es am Ende noch wesentlich schlimmer, h\u00e4rter und vor allem negativer wird und ich mich mehrmals gegen meinen inneren Schweinehund durch setzen m\u00fcsse. Aber das war nicht so, es war wirklich Genu\u00df pur, wenngleich ich nat\u00fcrlich einen Mordsmuskelkater nicht verheimlichen will. Die letzten 1,5 Jahre waren wirklich der Hammer, der 4 Stufen Plan (Halbmarathon, Halbdistanz, Marathon, Ironman) fand vergangenes Wochenende sein Ende und wird mir immer in Erinnerung bleiben!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/deg-sport.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/239236885_10159925799299789_4859919548023858769_n-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4092\" srcset=\"https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/239236885_10159925799299789_4859919548023858769_n-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/239236885_10159925799299789_4859919548023858769_n-300x300.jpg 300w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/239236885_10159925799299789_4859919548023858769_n-150x150.jpg 150w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/239236885_10159925799299789_4859919548023858769_n-768x768.jpg 768w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/239236885_10159925799299789_4859919548023858769_n.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu guter Letzt ein Riesen Dankesch\u00f6n an meine Unterst\u00fctzer.<br>Hier nat\u00fcrlich an allererster Stelle meine Nina, die nicht auch nur ein einziges Mal gemeckert hat, wenn ich mal wieder auf ne lange Radausfahrt oder nen Long Run gegangen bin und mich auch am Wochenende wirklich grandios unterst\u00fctzt hat!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Auch an all meine Trainingspartner in den letzten 18 Monaten, namentlich m\u00f6chte ich zwei heraus heben. Einmal der Hermi, der mir zeigte, wie man nen Marathon packt, obwohl man schon nicht mehr kann. Und zum anderen der Matthias, ich denke, da waren einige richtig wertvolle Radeinheiten inkl. Tipps dabei, ohne die ich es wohl nicht geschafft h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Und dann selbstverst\u00e4ndlich auch an die Unterst\u00fctzer zuhause, egal ob meine beiden Jungs, meine Mutter, Schwester, Bruder mitsamt Familien und die vielen vielen tollen Freunde, die ich Gott sei Dank habe: Es war einfach toll zu erfahren, wie ihr am Live Tracker mitgefiebert habt! Jetzt hab ich wieder mehr Zeit und wir trinken jetzt auch mal wieder das ein oder andere Bierchen MIT Alkohol!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"533\" height=\"800\" src=\"https:\/\/deg-sport.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/218_m-FPIX-5-00994659-DIGITAL_HIGHRES-3997_030040-2188647.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4093\" srcset=\"https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/218_m-FPIX-5-00994659-DIGITAL_HIGHRES-3997_030040-2188647.jpg 533w, https:\/\/degsport.de\/Archiv\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/218_m-FPIX-5-00994659-DIGITAL_HIGHRES-3997_030040-2188647-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bericht und Fotos: Martin Eckart<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich kennen seine Freunde den &#8222;Moartl&#8220;, wie er von ihnen genannt wird, nur mit Inlineskates und dem Eishockeyschl\u00e4ger im Dress der Deggendorf Pflanz. 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